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Dossier 8 Min Lesezeit

Bauen und Sanieren im Allgäu: Leitfaden für Bestandsimmobilien und Neubau

FD
Frank Dohrmann
Geschäftsführer · 03. Juni 2026
Bauen und Sanieren im Allgäu: Leitfaden für Bestandsimmobilien und NeubauThemen-Dossier

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Der Immobilienmarkt zwischen Kempten und Oberstdorf hat sich in den letzten Jahren drastisch gewandelt. Wer heute im Oberallgäu Wohneigentum erwirbt, greift oft zu Bestandsgebäuden aus den 1960er bis 1980er Jahren, da freie Baugrundstücke in Top-Lagen wie Schöllang oder dem Illertal kaum noch verfügbar sind. Diese Immobilien bieten enormes Potenzial, verlangen Käufern aber ein tiefes Verständnis für die regionale Bausubstanz und die strengen Gestaltungssatzungen unserer Gemeinden ab.

Ein Hausbau oder eine umfassende Sanierung im Gebirgsvorland unterliegt anderen Gesetzen als in der norddeutschen Tiefebene. Hier bestimmen extreme Schneelasten, steile Hanglagen und der Schutz des charakteristischen Landschaftsbildes die Planung. Als ortsansässige Makler erleben wir täglich, dass der Erfolg eines Projekts davon abhängt, wie frühzeitig lokale Experten und Behörden in den Prozess einbezogen werden.

Dieser Ratgeber bündelt unsere jahrzehntelange Erfahrung aus hunderten Transaktionen und Bauprojekten im Allgäu. Wir führen Sie durch die bürokratischen Hürden des Landratsamts Sonthofen, kalkulieren realistische Baukosten für das Jahr 2026 und zeigen auf, wie Sie ein traditionelles Bauernhaus energetisch in die Moderne führen, ohne seinen Charme zu opfern.

Inhaltsverzeichnis

Baugenehmigung Oberallgäu Ablauf

Der Weg zur Baugenehmigung im Landkreis Oberallgäu führt unweigerlich über das Landratsamt in Sonthofen oder die Bauverwaltungen der Städte Kempten und Immenstadt. Der Prozess beginnt idealerweise mit einer formlosen Bauvoranfrage, besonders wenn Ihr Vorhaben von einem bestehenden Bebauungsplan abweicht oder im unbeplanten Innenbereich nach § 34 BauGB liegt. Rechnen Sie für das reine Genehmigungsverfahren mit einer Dauer von drei bis sechs Monaten, sofern die Unterlagen vollständig sind.

Besonderes Augenmerk legen die Gemeinden auf die Stellplatzsatzungen und die Ortsgestaltung. In Orten wie Oberstdorf oder Hindelang müssen Neubauten und Änderungen am Bestand oft dem Gestaltungsbeirat vorgelegt werden. Hierbei geht es um Dachneigungen, Kniestockhöhen und die Verwendung regionaltypischer Fassadenelemente. Ein lokaler Planer, der die informellen Wege in die Rathäuser kennt, ist hier Gold wert.

Sanierung von Allgäuer Bauernhäusern

Ein altes Bauernhaus in Einzellage ist für viele der Inbegriff des Allgäuer Wohntraums. Die Realität der Sanierung ist jedoch komplex: Oft handelt es sich um Gebäude mit einem massiven Wohnteil und einem Wirtschaftsteil in Holzständerbauweise (Tenne). Die größte Herausforderung liegt im Feuchteschutz der Grundmauern aus Naturstein oder Rollierung und der statischen Ertüchtigung der alten Holzbalkendecken.

  • Erhalt der historischen Fachwerkelemente und Schindelfassaden.
  • Umnutzung der Tenne zu Wohnraum (erfordert meist eine Nutzungsänderung).
  • Sensible Dämmung von innen bei denkmalgeschützten Objekten.

Wir raten dazu, den baugeschichtlichen Wert frühzeitig durch einen Sachverständigen prüfen zu lassen. Oft verbergen sich unter hässlichen Eternit-Platten der 70er Jahre prachtvolle, handgehauene Strickwände, deren Freilegung den Marktwert der Immobilie massiv steigert.

Baukosten Allgäu pro Quadratmeter 2026

Wer für das Jahr 2026 im Allgäu plant, muss mit einer weiteren Konsolidierung der Preise auf hohem Niveau rechnen. Während die Materialpreise sich stabilisiert haben, treiben der Fachkräftemangel und die hohen energetischen Standards die Kosten. Für einen soliden Neubau im Standard Effizienzhaus 40 inkl. Bodenplatte sollten Sie im Oberallgäu mit 3.400 € bis 4.200 € pro Quadratmeter Wohnfläche kalkulieren – Keller und Außenanlagen exklusive.

Gewerke/StandardKostenspanne 2026 (€/m²)
Einfacher Standard (Bestandssanierung)1.800 – 2.500 €
Gehobener Neubau (Massiv/Holz)3.500 – 4.500 €
Luxussegment (Lagen wie Oberstdorf)Ab 6.000 €

Berücksichtigen Sie bei Hanggrundstücken in Lagen wie dem Gunzesrieder Tal zusätzliche Erschließungs- und Sicherungskosten von oft 50.000 € bis 100.000 €, die in Standardkalkulationen häufig fehlen.

Dachsanierung unter Berücksichtigung der Schneelast

Im Allgäu ist das Dach nicht nur ästhetischer Abschluss, sondern Schutzschild gegen gewaltige Lasten. In Schneelastzone 3, zu der große Teile des südlichen Oberallgäus gehören, müssen Dächer teilweise Lasten von über 500 kg pro Quadratmeter tragen können. Bei einer Sanierung, die oft mit einer Aufsparrendämmung und Photovoltaik-Anlage einhergeht, muss die Statik zwingend neu berechnet werden.

Die traditionelle Eindeckung mit Falzziegeln oder Betondachsteinen ist Standard, doch in exponierten Höhenlagen sieht man vermehrt Blechdächer (Stehfalz), die den Schneedruck besser ableiten. Achten Sie bei der Materialwahl auf die Schneefangsysteme: Diese sind im Allgäu baurechtlich vorgeschrieben, um Passanten und tieferliegende Gebäudeteile vor Dachlawinen zu schützen.

Energetisch sanieren im alpinen Klima

Das Klima im Allgäu ist durch lange Winter und hohe Niederschlagsmengen geprägt. Eine Standard-Wärmedämmung „von der Stange“ reicht hier oft nicht aus. Wir empfehlen bei Bestandshäusern in Regionen wie Immenstadt oder Sonthofen diffusionsoffene Systeme. Holzfaserdämmstoffe haben sich besonders bewährt, da sie sommerlichen Hitzeschutz bieten und im Winter die Feuchtigkeit regulieren, was Schimmelbildung in den oft dicken Altbauwänden vorbeugt.

Fenster sollten im Allgäu mindestens Dreifach-Verglasung mit thermisch getrennten Randverbünden aufweisen. Durch die hohe UV-Strahlung in den Berglagen altern minderwertige Kunststoffrahmen schneller; investieren Sie hier lieber in Holz-Alu-Kombinationen, die der Witterung am Nebelhorn oder dem Grünten über Jahrzehnte trotzen.

Heizsysteme für Allgäuer Bestandshäuser

Die Abkehr von der Ölheizung ist im Allgäu aufgrund der vielen ländlichen Objekte ohne Gasanschluss eine Herausforderung. Luft-Wasser-Wärmepumpen sind heute der Standard, müssen aber für die tiefen Minustemperaturen im Januar und Februar präzise ausgelegt sein. In vielen Fällen ist eine Hybridlösung oder die Kombination mit einer großflächigen Photovoltaik-Anlage und Batteriespeicher die wirtschaftlichste Wahl.

Für größere sanierte Bauernhöfe bleibt die Holzpellet-Heizung oder eine Hackschnitzelanlage aufgrund der regionalen Verfügbarkeit des Brennstoffs eine sinnvolle Alternative. Kombinieren Sie diese Systeme unbedingt mit einem wassergeführten Kaminofen im Wohnbereich – das sorgt nicht nur für Allgäuer Gemütlichkeit, sondern entlastet das Hauptsystem in den Spitzenlastzeiten des Winters.

Architekten in Oberstdorf und Umgebung finden

Die Wahl des Architekten entscheidet im Allgäu über die Genehmigungsfähigkeit. Ein Planer aus München oder Berlin kennt meist nicht die spezifischen Gestaltungssatzungen von Oberstdorf oder die Besonderheiten des Bauens im hochalpinen Raum. Suchen Sie nach Architekten, die im Bund Deutscher Architekten (BDA) organisiert sind und eine Referenzliste mit regionaltypischen Bauten vorweisen können.

Ein guter Architekt im Allgäu fungiert auch als Netzwerkmanager. Er hat Zugriff auf zuverlässige Handwerksbetriebe aus der Region, die auch dann kommen, wenn im Winter der Pass gesperrt ist oder die Auftragsbücher eigentlich voll sind. Vertrauen Sie auf Büros, die Erfahrung mit dem „Bauen im Bestand“ haben, da dies im Oberallgäu mittlerweile 70 % des Marktgeschehens ausmacht.

Regionale Baustoffe nutzen: Holz und Stein

Nachhaltigkeit ist im Allgäu kein Modewort, sondern Tradition. Die Verwendung von heimischem Fichten- oder Lärchenholz für die Fassadenverschindelung ist klimatisch ideal. Lärchenschindeln sind wartungsfrei und bilden über die Jahre die charakteristische silbergraue Patina, die das Haus vor Schlagregen schützt. Für den Innenausbau ist Zirbenholz aus den Hochlagen beliebt, dem eine beruhigende Wirkung nachgesagt wird.

Bei Steinarbeiten greifen lokale Bauherren gern auf Nagelfluh zurück, den typischen „Herrgottsbeton“ der Region, oder auf Kalkstein aus den nahen Alpenmassiven. Die kurzen Transportwege und die hohe Identifikation der Handwerker mit diesen Materialien sichern eine Qualität, die den Wiederverkaufswert Ihrer Immobilie langfristig stabilisiert.

Grundstücksteilung Allgäu Tipps

Angesichts der Bodenpreise in Kempten oder im Ofterschwanger Bereich ist die Teilung eines großen Gartens oft die einzige Möglichkeit, Baurecht zu schaffen. Prüfen Sie zuerst, ob die zusätzliche Bebauung nach § 34 BauGB (Einfügen in die nähere Umgebung) zulässig ist. Oft scheitern Teilungen an der gesicherten Erschließung oder an einzuhaltenden Abstandsflächen zu den Nachbarn.

Beachten Sie das Thema „Ensembleschutz“. Wenn Ihr Grundstück Teil eines historischen Ortskerns ist, kann die Teilung und Nachverdichtung untersagt werden. Wir empfehlen eine frühzeitige Grenzfeststellung durch ein Vermessungsbüro, um Klarheit über die exakte Quadratmeterzahl und den Verlauf von Leitungsrechten zu erhalten.

Bauen im Außenbereich Allgäu Richtlinien

Bauen im Außenbereich (§ 35 BauGB) ist im Allgäu streng reglementiert, um die Zersiedelung der Kulturlandschaft zu verhindern. Grundsätzlich sind hier nur privilegierte Vorhaben zulässig, etwa für landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe. Wer eine alte Alphütte oder einen abgelegenen Hof kaufen und ausbauen möchte, muss nachweisen, dass das Vorhaben öffentliche Belange nicht beeinträchtigt und die Erschließung gesichert ist.

Es gibt jedoch Ausnahmeregelungen für die „erleichterte Änderung von baulichen Anlagen“, wenn das Gebäude kulturhistorisch wertvoll ist oder eine äußere Gestalt gewahrt bleibt. Solche Projekte erfordern einen langen Atem und eine exzellente Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt.

Häufige Fragen

Wie hoch sind die Grunderwerbsteuer und Nebenkosten im Allgäu?

In Bayern liegt die Grunderwerbsteuer aktuell bei moderaten 3,5 %. Zusammen mit Notar- und Gerichtskosten (ca. 1,5–2 %) sowie der Maklerprovision sollten Sie rund 7–10 % des Kaufpreises als Erwerbsnebenkosten einplanen.

Was ist bei einer Zweitwohnsitzsatzung im Oberallgäu zu beachten?

Viele Gemeinden wie Oberstdorf, Bad Hindelang oder Blaichach haben Satzungen, die die Nutzung als reine Ferienwohnung einschränken oder verbieten. Prüfen Sie vor Kauf oder Sanierung unbedingt den aktuellen Status, um teure Rückbauverpflichtungen oder Bußgelder zu vermeiden.

Gibt es regionale Förderprogramme für Sanierungen im Allgäu?

Neben den bundesweiten KfW- und BAFA-Mitteln bieten einige Allgäuer Kommunen eigene Förderprogramme für die Ortskernbelebung oder die Verwendung traditioneller Baustoffe (z.B. Schindelfassaden) an. Auch das Bayerische Modernisierungsprogramm kann für Mietwohnraum attraktiv sein.

Kann ich im Allgäu ohne Keller bauen?

Aufgrund der hohen Bodenfeuchtigkeit und oft schwierigen Hanglagen ist ein Keller im Allgäu statisch und bautechnisch oft vorteilhaft. Wer darauf verzichtet, muss bei der Bodenplatte und Frostschürze besonders aufwendig dämmen und abdichten, was die Ersparnis teilweise wieder auffrisst.

Wie lange dauert eine energetische Sanierung eines typischen 80er-Jahre-Hauses?

Rechnen Sie bei einer Kernsanierung (Dach, Fenster, Heizung, Dämmung) mit einer reinen Bauzeit von sechs bis neun Monaten. Inklusive Planungsphase und Handwerkersuche sollten Sie etwa 1,5 Jahre Vorlauf einplanen, da regionale Fachbetriebe oft lange Vorlaufzeiten haben.

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