Zurück zum Journal
8 Min Lesezeit

Ferienimmobilie kaufen in Oberstdorf: Marktchancen, rechtliche Hürden und Renditepotenziale

02. Juni 2026
Ferienimmobilie kaufen in Oberstdorf: Marktchancen, rechtliche Hürden und Renditepotenziale

Der Immobilienmarkt in Oberstdorf und dem südlichen Oberallgäu unterliegt eigenen Gesetzen. Wer hier eine Ferienimmobilie kaufen möchte, trifft auf eine der begehrtesten Gebirgsregionen Deutschlands, in der die Nachfrage das Angebot seit Jahren massiv übersteigt. Die südlichste Gemeinde Deutschlands bietet mit dem Nebelhorn, dem Fellhorn und den tief eingeschnittenen Tälern wie dem Stillachtal eine Naturkulisse, die Liebhaberpreise rechtfertigt, aber auch fundiertes lokales Wissen erfordert.

Die rechtliche Situation ist durch strenge kommunale Satzungen geprägt, die den unkontrollierten Wildwuchs von Zweitwohnsitzen eindämmen sollen. Ob als reines Renditeobjekt für die Ferienvermietung, als privater Rückzugsort oder als hybride Lösung – jede Nutzungsform unterliegt unterschiedlichen steuerlichen und baurechtlichen Rahmenbedingungen. Zwischen dem historischen Ortskern von Oberstdorf und exklusiven Ortsteilen wie Tiefenbach oder Reute entscheiden oft Nuancen im Bebauungsplan über den langfristigen Werterhalt Ihres Investments.

In diesem Ratgeber analysieren wir die aktuelle Marktsituation, beleuchten die komplexen Satzungen der Gemeinde Oberstdorf und zeigen Ihnen auf, worauf Sie bei der Auswahl von Chalets, Almhütten oder klassischen Ferienappartements achten müssen. Als lokale Makler mit jahrzehntelanger Erfahrung im Allgäu liefern wir Ihnen die Fakten, die über den Erfolg Ihrer Immobilienentscheidung am Alpenrand entscheiden.

Satzung über Ferienwohnungen Oberstdorf und rechtliche Vorgaben

In Oberstdorf regelt die 'Satzung über die Zweckentfremdung von Wohnraum' sowie spezifische Bebauungspläne, wo und wie Ferienwohnungen betrieben werden dürfen. Grundsätzlich unterscheidet die Gemeinde strikt zwischen allgemeinem Wohnen und der gewerblichen oder quasi-gewerblichen Ferienvermietung. In reinen Wohngebieten ist die Neuausweisung von Ferienwohnungen heute nahezu unmöglich, um den Wohnraum für Einheimische zu schützen. Wer ein Objekt kauft, muss genau prüfen, ob für die Einheit eine rechtswirksame Baugenehmigung zur Feriennutzung vorliegt.

Ein bloßer Bestandsschutz reicht oft nicht aus, wenn die Nutzung über einen längeren Zeitraum unterbrochen wurde. Besonders kritisch ist die Situation in Mischgebieten, wo die Gemeinde durch Veränderungssperren versucht, die Anzahl der Gästebetten zu decken. Käufer sollten sich vor dem Notartermin unbedingt den aktuellen Genehmigungsstatus beim Landratsamt Oberallgäu oder dem kommunalen Bauamt bestätigen lassen, da eine illegale Nutzung Bußgelder im fünfstelligen Bereich nach sich ziehen kann.

Zweitwohnsitzsteuer Oberstdorf Rechner und finanzielle Belastungen

Wer eine Immobilie in Oberstdorf als Zweitwohnsitz nutzt, wird zur Kasse gebeten. Die Zweitwohnsitzsteuer in Oberstdorf gehört zu den signifikanten Nebenkosten und berechnet sich auf Basis der jährlichen Nettokaltmiete (bzw. des Mietwerts laut Mietspiegel). Aktuell liegt der Steuersatz in Oberstdorf bei 20 % der Netto-Jahreskaltmiete. Dies ist ein erheblicher Faktor in der jährlichen Liquiditätsrechnung, besonders bei hochwertigen Objekten in Top-Lagen wie dem Fuggerpark.

  • Berechnungsbeispiel:
  • Geschätzte Nettokaltmiete (fiktiv): 15.000 € pro Jahr
  • Steuersatz: 20 %
  • Jährliche Steuerlast: 3.000 €

Befreit von der Steuer sind unter Umständen nur Personen, die aus beruflichen Gründen einen Zweitwohnsitz unterhalten oder Geringverdiener unterhalb bestimmter Einkommensgrenzen. Für die meisten Käufer einer Ferienimmobilie bleibt diese Steuer jedoch eine fixe jährliche Abgabe, die neben den üblichen Nebenkosten wie Grundsteuer B, Wasser und Müllabfuhr eingeplant werden muss.

Gästebett-Satzung Oberstdorf erklärt: Die Kontingentierung

Hinter dem Begriff der Gästebett-Satzung verbirgt sich das Bestreben der Gemeinde, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Infrastruktur, touristischer Kapazität und Lebensqualität für Ansässige zu wahren. Die Satzung begrenzt die Gesamtzahl der verfügbaren Gästebetten in bestimmten Gebieten. Für Investoren bedeutet das: Die bloße Tatsache, dass ein Haus über viele Zimmer verfügt, berechtigt nicht automatisch zur entsprechenden Anzahl an Gästeschlafplätzen in der Vermietung.

Dies hat direkte Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeitsberechnung. Wenn ein Objekt für acht Personen beworben werden soll, die Satzung am Standort aber nur vier Gästebetten zulässt, halbiert sich das Umsatzpotenzial. Wir erleben oft, dass Bestandsimmobilien im Außenbereich oder in gewachsenen Ortsteilen wie Kornau hier strengeren Restriktionen unterliegen als Neubauprojekte in ausgewiesenen Sondergebieten für den Tourismus.

Ferienhaus kaufen Allgäu Alpenblick: Lagebewertung und Preise

Der 'Alpenblick' ist das wertvollste Merkmal einer Ferienimmobilie im Oberallgäu. In Oberstdorf erzielen Objekte mit unverbaubarer Sicht auf das Hauptmassiv der Allgäuer Alpen Preiszuschläge von 20 % bis 35 % gegenüber vergleichbaren Objekten ohne Aussicht. Besonders begehrt sind Lagen am Südhang, die im Winter zudem eine längere Sonneneinstrahlung bieten. Die Preisspanne für gepflegte Ferienwohnungen in Oberstdorf bewegt sich derzeit zwischen 7.500 € und 12.000 € pro Quadratmeter. Exklusive Neubauprojekte oder sanierte Chalets in Einzellage überspringen die Marke von 15.000 €/m² spielend.

In den umliegenden Gemeinden wie Fischen, Sonthofen oder Immenstadt ist das Preisniveau etwas moderater, wobei auch hier Spitzenlagen (z.B. am Kleinen Alpsee oder in Bolsterlang) deutlich angezogen haben. Während man in Kempten eher klassische Eigentumswohnungen für den Eigenbedarf findet, fokussiert sich das Segment 'Urlaubsdomizil mit Panorama' fast ausschließlich auf den südlichen Teil des Landkreises.

Chalet kaufen Oberstdorf und die Besonderheit der Almhütte

Der Traum von der eigenen Almhütte im Allgäu ist für viele der Inbegriff bayerischer Gemütlichkeit. Rechtlich ist dies jedoch das schwierigste Pflaster. Echte Almhütten liegen meist im Außenbereich (§ 35 BauGB), wo ein striktes Bau- und Nutzungsverbot herrscht. Eine Umnutzung vom landwirtschaftlichen Heustadel zum Ferienhaus ist faktisch ausgeschlossen. Wer eine 'Almhütte' kaufen möchte, erwirbt meist ein bestandshaltiges Objekt mit privilegierter Geschichte – solche Gelegenheiten kommen jedoch fast nie auf den freien Markt und werden diskret gehandelt.

Einfacher ist der Kauf eines modernen Chalets. Hierbei handelt es sich meist um hochwertige Einfamilien- oder Doppelhäuser in Holzständerbauweise, die im Ortsbereich liegen. In Oberstdorf sind Neubauten von Chalets oft an eine touristische Nutzungspflicht gebunden. Das bedeutet: Sie müssen das Objekt für eine Mindestanzahl an Tagen im Jahr an wechselnde Gäste vermieten und dürfen es nur zeitweise selbst nutzen.

Vermietungsrendite Ferienimmobilie Oberstdorf: Eine Realitätsprüfung

Viele Käufer kalkulieren mit zu optimistischen Belegungszahlen. In Oberstdorf ist durch die Kombination aus Sommer- und Wintersaison eine hohe Auslastung von 180 bis 220 Tagen pro Jahr realistisch. Die Bruttorendite liegt bei aktuellen Kaufpreisen meist zwischen 2,5 % und 4 %. Nach Abzug von Verwaltungskosten (Reinigung, Schlüsselübergabe, Marketing über Portale wie Oberstdorf.de), Instandhaltungsrücklagen und Steuern bleibt oft eine Nettorendite von 1 % bis 2 % übrig.

Die Wertsteigerung der Immobilie war in der Vergangenheit der eigentliche Renditebringer. Wer heute kauft, sollte die Immobilie primär als sicheren Sachwertspeicher und zur teilweisen Eigennutzung sehen. Eine Vollfinanzierung über die Mieteinnahmen ist bei den aktuellen Zinskonditionen im Allgäu kaum darstellbar, sofern nicht ein hoher Eigenkapitalanteil eingebracht wird.

Eigennutzung vs. Vermietung Ferienwohnung im Allgäu

Die Entscheidung zwischen reiner Eigennutzung (Zweitwohnsitz) und der Ferienvermietung hat weitreichende steuerliche Konsequenzen. Bei der Vermietung können Werbungskosten, Abschreibungen (AfA) und Kreditzinsen steuerlich geltend gemacht werden, was die Steuerlast aus anderen Einkunftsarten senken kann. Voraussetzung ist jedoch die Gewinnerzielungsabsicht. Erkennt das Finanzamt die Immobilie als 'Liebhaberei' ein (häufig bei zu hohem Eigennutzungsanteil), werden steuerliche Verluste rückwirkend nicht mehr anerkannt.

Die meisten Besitzer in Oberstdorf wählen ein hybrides Modell: Eigennutzung in den Nebensaisons (April/Mai sowie November) und professionelle Vermietung während der lukrativen Spitzenzeiten wie Weihnachten/Neujahr oder während der Vierschanzentournee. Wichtig: Eine kombinierte Nutzung erfordert eine detaillierte Dokumentation der Belegungstage für die Finanzverwaltung.

Finanzierung von Ferienimmobilien Special: Worauf Banken achten

Banken bewerten Ferienimmobilien kritischer als eigengenutzten Wohnraum. Im Allgäu verlangen lokale Institute wie die Sparkasse Allgäu oder die Raiffeisenbanken oft einen Eigenkapitalanteil von 30 % bis 40 %. Der Grund: Ferienimmobilien gelten als Luxusgut, das bei wirtschaftlichen Krisen als erstes abgestoßen wird. Zudem setzen Banken beim Ertragswertverfahren oft nur 60-70 % der potenziellen Mieteinnahmen an, um Leerstandsrisiken abzufedern.

Besonderes Augenmerk legen die Prüfer auf die Drittverwendungsfähigkeit. Kann das Objekt auch dauerhaft vermietet werden, falls der Tourismusmarkt einbricht? Objekte in Oberstdorf haben hier durch ihre ganzjährige Attraktivität einen klaren Vorteil gegenüber reinen Wintersportorten in den Hochalpen. Achten Sie darauf, die Finanzierung so zu strukturieren, dass sie auch bei einer Änderung der örtlichen Satzungen (z.B. Vermietungsverbot) tragfähig bleibt.

Häufige Fragen

Darf ich jede Wohnung in Oberstdorf als Ferienwohnung vermieten?

Nein. Es muss eine explizite Baugenehmigung für die Nutzung als Ferienwohnung vorliegen. Viele Gebiete in Oberstdorf sind als reine Wohngebiete ausgewiesen, in denen eine gewerbliche Ferienvermietung untersagt ist, um die Ruhe der Anwohner und bezahlbaren Wohnraum zu schützen.

Wie hoch ist die Zweitwohnsitzsteuer in Oberstdorf?

Die Steuer beträgt aktuell 20 % der jährlichen Nettokaltmiete. Der Wert wird entweder aus dem bestehenden Mietvertrag oder – bei Eigennutzung – anhand des örtlichen Mietspiegels und der Objektausstattung ermittelt.

Lohnt sich der Kauf einer Almhütte als Investment?

Als rein finanzielles Investment selten, da die Instandhaltung im alpinen Gelände teuer und die rechtliche Lage (Außenbereich) extrem komplex ist. Als Liebhaberobjekt mit Seltenheitswert ist eine Almhütte jedoch eine der wertstabilsten Immobilienformen im Allgäu überhaupt.

Was ist der Unterschied zwischen einem Zweitwohnsitz und einer Ferienwohnung?

Ein Zweitwohnsitz dient der privaten Nutzung durch den Eigentümer. Eine Ferienwohnung ist eine Immobilie, die an wechselnde Gäste zu Erholungszwecken vermietet wird. Rechtlich und steuerlich werden beide Formen völlig unterschiedlich behandelt.

Welche Nebenkosten fallen beim Kauf in Oberstdorf an?

Neben dem Kaufpreis müssen Sie mit ca. 3,5 % Grunderwerbsteuer (in Bayern), ca. 1,5 - 2 % Notar- und Grundbuchkosten sowie der Maklerprovision rechnen. Insgesamt sollten Sie ca. 7–9 % Erwerbsneukosten einkalkulieren.

Kann die Gemeinde die Ferienvermietung nachträglich verbieten?

Ja, durch Änderungen im Bebauungsplan oder neue Satzungen kann die Nutzung eingeschränkt werden. Bestehende, rechtmäßig genehmigte Nutzungen genießen in der Regel Bestandsschutz, doch dieser kann bei Nutzungsänderungen oder längeren Leerständen erlöschen.