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Finanzierungen 4 Min Lesezeit

Immobilienfinanzierung 2026: Was Banken heute wirklich prüfen

Wer heute eine Immobilie finanzieren möchte, trifft auf Banken, die deutlich genauer hinschauen als noch vor fünf Jahren. Die Niedrigzinsphase hat das Kreditgeschäft entspannt – das gestiegene Zinsniveau hat es wieder rigoros gemacht. Was früher mit einem stabilen Einkommen und etwas Eigenkapital fast automatisch funktionierte, ist heute ein Prozess mit mehreren Prüfstufen. Dieser Artikel zeigt, was Banken 2026 wirklich prüfen – und wie Käufer sich optimal vorbereiten.

FD
Frank Dohrmann
Geschäftsführer · 30. Mai 2026
Immobilienfinanzierung 2026: Was Banken heute wirklich prüfen

Wer heute eine Immobilie finanzieren möchte, trifft auf Banken, die deutlich genauer hinschauen als noch vor fünf Jahren. Die Niedrigzinsphase hat das Kreditgeschäft entspannt – das gestiegene Zinsniveau hat es wieder rigoros gemacht. Was früher mit einem stabilen Einkommen und etwas Eigenkapital fast automatisch funktionierte, ist heute ein Prozess mit mehreren Prüfstufen.

Dieser Artikel zeigt, was Banken 2026 wirklich prüfen – und wie Käufer sich optimal vorbereiten.


Die fünf Säulen der Kreditprüfung

1. Einkommen und Beschäftigungsverhältnis

Die erste und wichtigste Frage: Können Sie die monatliche Rate dauerhaft bezahlen? Banken prüfen das anhand der letzten zwei bis drei Gehaltsabrechnungen und dem aktuellen Arbeitsvertrag.

Unbefristetes Angestelltenverhältnis ist der Idealfall. Befristete Verträge gelten als Risiko – viele Banken lehnen ab, wenn weniger als ein Jahr Restlaufzeit besteht. Selbstständige und Freiberufler benötigen in der Regel die letzten zwei bis drei Einkommensteuerbescheide und müssen ein stabiles oder steigendes Einkommensniveau nachweisen.

Die Faustregel der meisten Banken: Die monatliche Kreditrate sollte nicht mehr als 35–40% des Nettoeinkommens betragen. Bei einem Nettoeinkommen von 3.500 €/Monat bedeutet das eine maximale Rate von etwa 1.225–1.400 €.

2. Eigenkapital und Beleihungsauslauf

Je mehr Eigenkapital, desto besser der Zinssatz und desto höher die Genehmigungswahrscheinlichkeit. Banken stufen das Risiko nach dem sogenannten Beleihungsauslauf ein – dem Verhältnis des Darlehens zum Beleihungswert der Immobilie.

Unter 60% Beleihungsauslauf: beste Konditionen. 60–80%: marktübliche Konditionen. Über 80%: Aufschläge oder zusätzliche Anforderungen. Über 90%: in den meisten Fällen nur mit ausgezeichneter Bonität möglich.

3. Schufa und Bonität

Die Schufa-Auskunft ist Pflicht. Negative Einträge – auch wenn sie alt oder klein sind – können einen Antrag blockieren. Käufer sollten ihre Schufa-Auskunft vorab selbst abrufen (kostenlos einmal jährlich) und Unregelmäßigkeiten bereinigen lassen, falls möglich.

Was viele nicht wissen: Zu viele Kreditanfragen in kurzer Zeit wirken sich negativ auf den Schufa-Score aus. Wer bei mehreren Banken gleichzeitig Konditionsanfragen stellt, sollte darauf achten, dass diese als „Konditionsanfrage" und nicht als „Kreditanfrage" eingetragen werden – das ist möglich und sollte aktiv angesprochen werden.

4. Die Immobilie selbst

Banken finanzieren nicht jede Immobilie gleich. Relevant sind:

  • Lage: Eine Immobilie in einer strukturschwachen Region wird zurückhaltender finanziert als in einer nachfragestarken Lage wie dem Allgäu.
  • Zustand und Baujahr: Sanierungsstau reduziert den Beleihungswert.
  • Nutzungsart: Selbst genutzt vs. vermietet vs. Ferienwohnung – unterschiedliche Risikoeinschätzungen.
  • Größe und Teilbarkeit: Sehr kleine oder sehr große Objekte können Bewertungsabschläge erhalten.

Banken erstellen intern einen Beleihungswert, der oft 10–15% unter dem Kaufpreis liegt. Das ist kein Vorwurf – sondern eine konservative Sicherheitsmarge, die für Käufer bedeutet: der Kreditbetrag bezieht sich auf diesen niedrigeren Wert.

5. Vorhandene Verbindlichkeiten

Laufende Kredite, Leasingverträge, Unterhaltszahlungen – all das reduziert das verfügbare Einkommen und damit die maximale Kreditrate. Banken sehen alle Kontobewegungen der letzten drei bis sechs Monate durch Kontoauszüge. Wer kurz vor dem Kreditantrag einen Kredit aufnimmt, fällt auf.


Was sich 2026 gegenüber früher verändert hat

Zinsmarge: Die Bauzinsen lagen 2021 noch bei unter 1% für 10-jährige Zinsbindung. 2026 sind wir bei 3,3–4,2% je nach Eigenkapital und Bonität. Das klingt nach wenig Veränderung – in der Praxis bedeutet 1% mehr Zins bei einem Darlehen von 400.000 € rund 4.000 € mehr Zinsaufwand pro Jahr.

Tragbarkeitsrechnung: Banken rechnen heute mit einem Stresstest: Kann der Käufer die Rate auch bei 5–6% Zinsen tragen? Wer diese Schwelle nicht erfüllt, bekommt entweder weniger oder gar nicht finanziert.

Energieeffizienz: Immer mehr Banken bewerten die Energieeffizienzklasse der Immobilie. Objekte mit Klasse F, G oder H gelten als Sanierungsfall und können Abschläge beim Beleihungswert oder schlechtere Konditionen bedeuten. Käufer, die in sanierungsbedürftige Objekte investieren, sollten das einkalkulieren.


Wie Sie sich optimal vorbereiten

Sechs Monate vor dem Kauf:

  • Schufa-Selbstauskunft einholen und prüfen
  • Kontoauszüge „bereinigen": keine unnötigen Ausgaben, keine neuen Kredite
  • Eigenkapital dokumentieren: Kontoauszüge, Depotauszüge, Sparverträge

Drei Monate vor dem Kauf:

  • Einkommensunterlagen zusammenstellen (Gehaltsabrechnungen, Steuerbescheid)
  • Finanzierungsrahmen bei einer oder zwei Banken (als Konditionsanfrage, nicht Kreditanfrage) prüfen
  • Finanzierungszertifikat beantragen – das stärkt Ihre Position als Käufer

Bei Angebotsabgabe:

  • Finanzierungsbestätigung vorlegen können
  • Kaufpreis und Objekt klar kommunizieren – vage Anfragen verzögern den Prozess

Fazit

Immobilienfinanzierung 2026 ist kein Selbstläufer mehr. Banken prüfen gründlich – aber wer vorbereitet ist, hat gute Chancen. Eigenkapital, saubere Bonität und ein nachgefragtes Objekt in einer guten Lage sind die entscheidenden Faktoren.

Dohrmann & Partner begleitet Käufer nicht nur bei der Objektsuche, sondern sorgt dafür, dass Sie als Käufer gut aufgestellt in das Bankgespräch gehen.


FAQ

Wie lange dauert eine Finanzierungszusage?

Bei vollständigen Unterlagen: 3–10 Werktage. Bei komplexeren Situationen (Selbstständige, mehrere Immobilien) auch 2–4 Wochen. Käufer sollten den Zeitbedarf bei Angebotsabgabe einkalkulieren.

Kann ich bei mehreren Banken gleichzeitig anfragen?

Ja – aber als Konditionsanfrage, nicht als Kreditanfrage. Der Unterschied liegt im Schufa-Eintrag. Eine Konditionsanfrage ist neutral, eine Kreditanfrage beeinflusst den Score.

Was ist ein Finanzierungszertifikat?

Eine banksei­tige Bestätigung, dass Sie bis zu einem bestimmten Betrag finanziert werden können. Es ist keine bindende Zusage, erhöht aber Ihre Glaubwürdigkeit als Käufer erheblich – besonders wenn mehrere Interessenten ein Objekt wollen.

Lohnt sich ein unabhängiger Finanzierungsvermittler?

Oft ja. Vermittler wie Dr. Klein, Interhyp oder regionale Unternehmen haben Zugang zu vielen Bankprodukten gleichzeitig und können Konditionen vergleichen, die Sie als Einzelkunde nicht sehen. Das kostet den Käufer in der Regel nichts – die Provision zahlt die Bank.

Was passiert, wenn die Zinsen nach meiner Finanzierung weiter sinken?

Bei Zinsbindung (z.B. 10 Jahre) sind Sie an Ihren Zinssatz gebunden. Eine vorzeitige Ablösung ist möglich, kostet aber Vorfälligkeitsentschädigung. Alternativ: kürzere Zinsbindung wählen, wenn Zinssenkungen erwartet werden – mit dem Risiko, dass die Zinsen stattdessen steigen.

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