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Finanzierungen 3 Min Lesezeit

Forward-Darlehen erklärt: Sinnvoll oder Wette auf die Zukunft?

Ein Forward-Darlehen sichert die Zinsen für eine zukünftige Finanzierung frühzeitig. Doch ist dies im Allgäu sinnvoll, oder birgt es unnötige Risiken? Wir erläutern Funktion, Chancen und Gefahren.

FD
Frank Dohrmann
Geschäftsführer · 20. Juli 2026
Forward-Darlehen erklärt: Sinnvoll oder Wette auf die Zukunft?

Ein Forward-Darlehen klingt nach einem cleveren Instrument: Sie sichern sich heute den Zinssatz für eine Finanzierung, die erst in ein bis fünf Jahren beginnt. Wenn die Zinsen bis dahin steigen, haben Sie gewonnen. Wenn sie sinken, haben Sie zu viel bezahlt. Das macht das Forward-Darlehen zu einem Absicherungsinstrument – aber auch zu einer Wette.

Wann es sich lohnt, wie es funktioniert und worauf Eigentümer im Allgäu achten sollten.


Was ist ein Forward-Darlehen?

Ein Forward-Darlehen ist eine Vereinbarung zwischen Kreditnehmer und Bank, bei der der Zinssatz für eine zukünftige Finanzierung heute festgelegt wird. Es wird typischerweise dann abgeschlossen, wenn eine laufende Zinsbindung in 12 bis 60 Monaten ausläuft – und der Eigentümer befürchtet, dass die Zinsen bis dahin steigen werden.

Die Bank verlangt für diese Zinsgarantie einen sogenannten Forward-Aufschlag: typischerweise 0,01–0,03% pro Monat Vorlaufzeit. Bei 36 Monaten Vorlauf und 0,02% monatlichem Aufschlag bedeutet das 0,72% Zinsaufschlag gegenüber dem aktuellen Marktkonditionen.


Ein konkretes Rechenbeispiel

Aktueller Zinssatz für 10-jährige Zinsbindung: 3,6% Forward-Aufschlag für 36 Monate Vorlauf: +0,72% Forward-Zinssatz: 4,32%

Restschuld bei Ablauf: 280.000 € Monatliche Rate bei 3,6% (ohne Forward): ~1.466 € Monatliche Rate bei 4,32% (mit Forward): ~1.584 € Mehrkosten pro Monat: ~118 €

Wenn die Zinsen in drei Jahren tatsächlich bei 4,32% oder höher liegen, war das Forward-Darlehen die richtige Wahl. Liegt der Markt dann bei 3,2%, hat man 118 € pro Monat zu viel bezahlt – das ergibt über 10 Jahre 14.160 € Mehraufwand.


Wann lohnt sich ein Forward-Darlehen?

Es lohnt sich, wenn:

  • Zinsen strukturell steigen werden (Inflationsdruck, EZB-Kehrtwende)

  • Sie Planungssicherheit über die Belastung benötigen – z.B. bei fixem Haushaltsbudget

  • Die Vorlaufzeit kurz ist (12–18 Monate) und der Forward-Aufschlag damit gering

Es lohnt sich nicht, wenn:

  • Zinsen stabil sind oder sinken – das ist 2026 das wahrscheinlichere Szenario

  • Die Vorlaufzeit lang ist (36–60 Monate) – der Aufschlag wird groß, die Unsicherheit bleibt

  • Sie flexible Handlungsoptionen behalten wollen


Die Zinsperspektive 2026

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins seit 2024 mehrfach gesenkt. Weitere Senkungen sind für die zweite Jahreshälfte 2026 eingepreist. Das spricht kurzfristig gegen einen Forward-Aufschlag – wer heute für 2027 oder 2028 ein Forward-Darlehen abschließt, zahlt Aufschlag auf ein Zinsniveau, das möglicherweise noch sinkt, bevor es wieder steigt.

Langfristig (Ablauf 2028–2030) ist die Zinsperspektive weniger eindeutig. Wer für diesen Zeitraum Sicherheit will, kann das Forward-Darlehen als Versicherung betrachten – mit bekanntem Preis (der Aufschlag) und bekanntem Nutzen (Absicherung gegen Zinsanstieg).


Alternativen zum Forward-Darlehen

Variable Anschlussfinanzierung: Kein Zinssatz wird fixiert – Sie zahlen den Marktzins zum Zeitpunkt der Verlängerung. Risiko: steigende Zinsen. Vorteil: profitieren Sie von sinkenden Zinsen.

Kürzere Zinsbindung wählen: Statt 10 Jahren nur 5 oder 7 Jahre binden. Das reduziert die Laufzeit des Risikos und gibt Flexibilität – allerdings auch weniger Planungssicherheit.

Sondertilgung nutzen: Die Restschuld vor Ablauf reduzieren. Weniger Darlehen = weniger Zinsrisiko.


Fazit

Ein Forward-Darlehen ist kein universelles Instrument, sondern eine zinspolitische Wette mit kalkulierbarem Einsatz. Wer die Zinsperspektive kennt, seinen Forward-Aufschlag berechnet und seine persönliche Risikotoleranz kennt, kann eine fundierte Entscheidung treffen. Wer das Forward-Darlehen aus Angst abschließt, ohne die Zahlen zu kennen, bezahlt häufig unnötig.

Dohrmann & Partner berät Eigentümer auch zur Finanzierungsstrategie – nicht nur zur Objektauswahl. Denn Finanzierungen sind ein wichtiger Teil des Immobliengeschäfts.


FAQ

Ab wann kann ich ein Forward-Darlehen abschließen?

In der Regel 12 bis 60 Monate vor Ablauf der bestehenden Zinsbindung. Je früher, desto höher der Forward-Aufschlag.

Bin ich an das Forward-Darlehen gebunden, wenn ich es abgeschlossen habe?

Ja – das ist ein rechtsverbindlicher Vertrag. Wenn Sie das Darlehen zum vereinbarten Zeitpunkt nicht abnehmen, können Stornogebühren anfallen.

Kann ich ein Forward-Darlehen bei einer anderen Bank abschließen als beim bisherigen Kreditgeber?

Ja. Ein Wechsel der Bank bei gleichzeitigem Forward-Darlehen ist möglich – mit den üblichen Umschuldungskosten (Notargebühren für Grundschuldübertragung).

Was ist der Unterschied zwischen Forward-Darlehen und normaler Prolongation?

Bei der Prolongation verlängern Sie Ihren Kredit erst bei Fälligkeit zu dann gültigen Konditionen. Beim Forward-Darlehen sichern Sie sich den Zinssatz heute für einen zukünftigen Zeitpunkt.

Lohnt sich ein Forward-Darlehen 2026?

Bei kurzem Vorlauf (12–18 Monate) kann es sinnvoll sein, wenn Sie Zinssicherheit wollen. Bei langem Vorlauf (36–60 Monate) sprechen die aktuellen Zinsperspektiven (weitere Senkungen erwartet) eher dagegen.

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